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Totentanz des Monats

Oktober 2014:

Der Würzburger Totentanz


Der "Würzburger Totentanz" ist eine Erfindung. Wolfgang Lenz (1925-2014) schuf das Bild 1969/70 zur Erinnerung an die Zerstörung seiner Heimatstadt am 16. März 1945. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs starben 4500 Menschen in einer Bombennacht; kaum ein Stein blieb auf dem anderen. Damals war der spätere Künstler als Wehrmachtssoldat freilich anderswo. Er bekam das Trümmerfeld erst später zu sehen. Beim Anblick des Gemäldes im Mainfränkischen Museum glaubt jeder, die Alte Mainbrücke wiederzuerkennen. Aber darauf stehen Heilige, nicht etwa mahnende Skelette. Das in Front dargestellte Paar suchte man vor Ort vergebens, nicht bloß weil es sich um unbunte Sandsteinfiguren handelt.

Der Titel "Würzburger Totentanz" zitiert eine nicht minder phantastische Schöpfung. Hellmut Rosenfeld (1907-1993) schloss das Studium der Älteren deutsche Literatur in Berlin ab. 1933 trat er Hermann Görings Sturmabteilung (SA) bei. Zwei Jahre später erschien die erste Veröffentlichung des Germanisten zum Thema Tod, dass nach dem Krieg den Mittelpunkt seines wissenschaftlichen Werks bildete. Als Mitarbeiter der Bayerischen Staatsbibliothek in München verfasste der Nationalist eine Habilitationsschrift, die den deutschen Ursprung der Totentänze "nachwies". Um Zeugnisse aus Frankreich und der Schweiz abzuwerten, datierte er falsch, bestimmte das Dominikanerkloster Würzburg als Entstehungsort und übersetzte, was so nie geschrieben worden war.

Obwohl ausländische Kollegen Rosenfelds unlauteres Vorgehen schon bald offenlegten, erteilte die Ludwig-Maximilians-Universität Hellmut Rosenfeld rasch eine Professur. Sein Buch "Der mittelalterliche Totentanz" erlebte zwischen 1954 und 1974 drei Auflagen. Erst nach dem Tod des einstigen NSDAP-Mitglieds häuften sich auch in Deutschland kritische Stimmen.

Hellmut Rosenfeld: Der mittelalterliche Totentanz. Entstehung - Entwicklung - Bedeutung. Münster und Köln 1954, 1968 und 1974, besonders Seite 89-95 und 307-318.

Frederick P. Pickering: Zum Totentanz-Buch von Hellmut Rosenfeld. In: Euphorion 49 (1955), Seite 483-488.

M[aurice] O'C[onnell] Walshe: Hellmut Rosenfeld. Der Mittelalterliche Totentanz. In: Zeitschrift für deutsche Philologie 76 (1957), Seite 231-234.

Deutsche biographische Enzyklopädie (DBE). 2., überarbeitete und erweiterte Ausgabe. Herausgegeben von Rudolf Vierhaus. Band 8. München 2007, Seite 539.


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