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Totentanz des Monats

Totentanz des Monats Januar 2014:

Der Totentanz von Ludwig Heßhaimer


Ludwig Heßhaimer war ein Militär vom Scheitel bis zur Sohle: 1872 in Siebenbürgen geboren, erst Zögling der Kadettenanstalt Budapest, dann Soldat in vielen österreichischen Garnisonen, schließlich Fronteinsätze im Osten. Fast vierzigjährig gastierte der zeichnerisch hochbegabte Offizier an der Wiener Kunstakademie, entschied sich jedoch für ein eigenes Atelier. Wenig später stellte er aus und veröffentlichte Bilder mit kurzen Erläuterungen.

1921 soll der Graphiker in Salzburg eine Medaille für "Der Weltkrieg – ein Totentanz" erhalten haben. Dabei ist seine 16 Radierungen und 4 illustrierte Textblätter umfassende Mappe im Format 60 mal 48 Zentimeter weder dekorativ noch im Detail gefällig. Handwerkliches Geschick, Phantasie und Weltanschauung überzeugten das Publikum: Es scheint, das Werk wendet sich an Soldaten, die von Berufs wegen an den Sieg glauben. Nach der Niederlage überboten sich Überzeugungstäter mit Schauergeschichten; einige sannen gar auf Rache.

Womöglich stellt Heßhaimer auch aus diesem Grund den Einsatz von Flammenwerfern dar. Das Bild zeigt die Waffe in mehreren Varianten. Rechts außen trägt der Tod einen Kanister mit Brennstoff und Zündgas auf dem Rücken. Das Feuerrohr ruht auf seiner Schulter und ragt hinter dem Kopf seines teuflischen Begleiters hervor. Der Strahl reicht links über den Rand des Blattes hinaus. Dazu heißt es unter dem Bildrand: "Die Geister der Maschinen hat der Tod befreit / Mit grauser Wonne jeder Stahl und Feuer speit."

Flammenwerfer kamen seit September 1915 zwischen Deutschen und Franzosen zum Einsatz, längst nicht an allen Fronten. Abgesehen davon, dass das Zusammenwirken von Tod, Teufel und winzigen Menschlein fantastisch ist, hat auch die Reichweite der neuen Wunderwaffen wenig mit der Wirklichkeit zu tun. Mehr als zwanzig Meter waren die Ausnahme. Im Idealfall konnte die Schussweite um ein Drittel steigen. Die vorgestellte Radierung entpuppt sich als Zukunftsvision, denn Heßhaimer ersann für den "Totentanz" ein Flammen werfendes Flugzeug sowie einen Panzer, der doppelseitig Feuer speit und nicht etwa konventionelle Munition verfeuert. Militärtechnisch übertrifft sein Bild die Möglichkeiten seiner Zeit bei weitem.

Wir bedanken uns bei Imke Friedrichsen, Ketterer Kunst Hamburg, für das Bild in hoher Auflösung.


Frühere Totentänze des Monats:

Letzte Aktualisierung: 02.03.2013

Anschrift

Europäische Totentanz-Vereinigung, Dr. Uli Wunderlich, Josephstr. 14, D-96052 Bamberg
Telefon +49 951 2972832, Fax +49 951 2972859, Mail: webmaster@totentanz-online.de