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Totentanz des Monats

Totentanz des Monats Juni 2011

Der Totentanz in Worms-Ibersheim, 1975

Fritz Kehr (1908-1985) bemalte die Innenwände der Aussegnungshalle in Worms-Ibersheim mit einem Totentanz, in dem es um die lebensgefährlichen Auswirkungen radioaktiver Strahlung geht. Für den als Künstler wie als Heimatforscher dilettierenden Landwirt lag das Thema nahe, seit auf der seinem Wohnort gegenüber liegenden Rheinseite die Bauarbeiten am südhessischen Kernkraftwerk Biblis begonnen hatten, das im Februar 1975 den Betrieb aufnahm. Zeitgleich entstand die dreieckige Friedhofshalle des rheinpfälzischen Mennoniten-Dorfs Ibersheim. Für die Innenausstattung sorgte Fritz Kehr, der auf dem in der Ecke gegenüber der gläsernen Eingangsfront angebrachten Altar den Leichnam Christi darstellt. Rechts und links davon fordert der Tod unsichtbar verborgen unter schneeweißen Laken sein Opfer: Er holt den zur Gemeinde sprechenden Prediger. Unterbrochen vom Rednerpult und der Tür zur Sakristei folgt eine vielfigurige Szene: Die personifizierte Kernenergie breitet ihre Arme aus wie Vogelflügel und umschließt damit zwei Fußball spielende Knaben, den Patient im Krankenbett, Arzt und Schwester zugleich. Um die Ecke zum Eingangsbereich haben der Maler, der Architekt und ein Bauhandwerker Raum gefunden, doch zwei Todesgestalten unterbrechen ihre Tätigkeit. Auf der Rheinseite geht es beinahe idyllisch zu, denn je ein atomarer Artgenosse schlingt seinen Arm sanft um die Schulter des Bauern wie des Jägers und des Maschinisten. Im Mittelpunkt der Wand steht das Kraftwerk Biblis, vor dem sich Vertreter aller Lebensalter versammeln. Kinder tanzen Ringelreihen, alte Herren unterhalten sich, eine Mutter hebt ihr Baby aus der Wiege. Weiter rechts sieht man Menschen unterwegs, Flüchtlinge womöglich. Mobilität ist dann noch einmal Thema auf der kurzen Mauer der Eingangswand. Hier stoppt der Tod den Verkehr. Die Autobahn, der Luftraum und die Schifffahrt sind gleichermaßen betroffen.

Weiterführende Informationen bietet Totentanz aktuell N. F. 13 (2011), Heft 146.

Frühere Totentänze des Monats:

Letzte Aktualisierung: 29.06.2011

Anschrift

Europäische Totentanz-Vereinigung, Dr. Uli Wunderlich, Josephstr. 14, D-96052 Bamberg
Telefon +49 951 2972832, Fax +49 951 2972859, Mail: webmaster@totentanz-online.de