Der Oberstdorfer Totentanz
 
Texte zur Wandmalerei von Gabriel Necker in der 14-Nothelfer-Kapelle, 1640, in der Abschrift von Pfarrer Johann Nepomuk Stützle (1840).

1. Der Tod und der Babst.

Der Tod.
Heillig Seit Jhr auf Erdten genandt.
Ohne Gott Jst der Hegste Ewer Standt;
Doch Kan ich Warlich Nit Umgon
Jch Mueß mit Euch den Vor Dantz Hon.

Der Babst.
O Adam, Adam Vatter Mein
Unnß Hast Gebracht Jn dise Pein.
Jetz Mueß Jch Euch Dantzen vor
Kombt Alhernach zum Todten Thor.

2. Der Tod und der Kayser.

Der Tod.
Herr Khayser Khombt her in Räuen Nein
Und dantz Fein Nach dem Babst herein.
Ewer Reich und Gewalt hat Auch ein Endt.
Drum Spert Eich Nit, Kombt Her Nur Behnd.

Der Kayser.
Mein Landt Und Leut Jch Meren Thedt,
Meinen Feindt Auch Dapfer Wider Strebt.
Allein der Todt ist mechtig Mein
Unnd Sprengt Mich auch Jn Reyen Nein.

3. Der Tod und der Bischof.

Der Tod.
Herr Bischof Weiß Unnd Wolgelert
Ewer Würde Hat Sich Auch verkhert
Gebt Auf, Eß Jst Zeit, daß Regiment
Ewer Leben Eilt Auch zum Endt.

Der Bischof.
Ich Bin Gar Hoch Geacht Worden,
Weil Jch Lebt Jn Bischofs Orden.
Nun Khom Jch Auch Jnnß Todten Landt
Seht Zur, Er Füert Mich bey Der Handt.

4. Der Tod und der Fürst.

Der Tod.
Habt mit Frawen Hoch Gesprungen
O Stolzer Fürst! Hats Wohlgelungen.
Das Myest Jhr an Diessen Reyen Wiesen
Kohmt Herr Jhr mießt die Todten Grüesen.

Der Fürst.
O Mort Mueß Jch So Frie Darvon
Landt Leit Weib kchindt dahinden Lon
So Erbarm sich Gott Jn Seinem Reich
Jetzt undt Wird Jch Meinem Dantzer gleich.

5. Der Tod und die Fürstin.

Der Tod.
Ich Dantz Eich vor, Frau Fürstin Fein
Nur Sprengt Hernach der Dantz Jst Mein.
Wo Jst Jetz Ewer Hoffgesündt
Ist Ales verschwunden Wie Der Windt.

Die Fürstin.
O Weh Unndt Ach An Jetz Unnt Jmmer,
Wo ist Jetz Mein Frawen Zimmer
Heit Fürstin Unnt Dan Nimermer
O Angst Unndt Noth Wie Thueß So Sehr.

6. Der Tod und der Abt.

Der Tod.
Herr Abbt vor Mir Seit Jhr Nit Gefreyt,
Muest Auch Mit Jn den Todten=Streit.
Legt Weckh den Stab Unnt Infel Fein
Khomt Her es Mueß Getantzet Sein.

Der Abt.
Prelat War Jch Jn Dissem Landt
Unnd Hoch Geacht Jn Meinem Standt
Jetz Komht Der Todt Waß Jst Mein Gewin
Gott Behiet Mein Closter Jch Far Dahin.

7. Der Tod und der Pfarrer.

Der Tod.
O Herr Pfarer Merkht auf Ewer Lehr –
Kohmt Auch Jn Meinen Dantz Hieher
Jhr Singt Unnd Sagt wol von Dem Todt
Ihr Mueßt Erfahren Auch Die Noth.

Der Pfarrer.
Jch hab' Gepredigt Offt Unnd Vil
Daß Keiner Hab Khein Gwißes Zil
Daß Werkh probiert Den Meister fein
Drum Lauf Jch Auch Jn Reyen Nein.

8. Der Tod und der Junkher.

Der Tod.
O Junkher mit dem Knebelbart
Ewer Rew Habt Jhr zu lang Gespart
Jhr Meint Eß Gang Eich Alleß hin
Dantz Her Mir Jst Ewer Gewinn.

Der Junkher.
Jn Dieser Welt War Jch Bekhandt
Darzue Ein Edelman Genant
Nur bin Jch von Dem Todt Gefelt
Vnnd An Disen Dantz Gesteldt.

9. Der Tod und die Fraw.

Der Tod.
O Fraw Waß Sol Nur Disser Pracht
Den Jhr Thuet Fiehrn Tag Unnd Nacht
Ziecht Ab das Khleid Zart Unnd Weich
Und Dantz Mit Mir So wert Jhr Bleich.

Die Fraw.
Der Todt Kombt Mir Auch Fir die Thür
Es Khombt Mir Grassam Seltzam Für
Hab Nit Vermeint, Daß Noch Sey Zeit
Gar Schnel Hat Er Mich UeberEilt.

10. Der Tod und der Doktor.

Der Tod.
Herr Dokter Beschaut Meinen Leib Frey
Ob Doch Derselbe Recht Gemachet Sey:
Ihr Habt Offt Manchen Hingericht
Der Aller Gestallt Jetz Mir Gleich Sicht.

Der Doktor.
Ich hab mit Meinem Wasser Beschauen,
Geholffen Beiden, Man Unnd Frawen.
Wer Beschaut Mir Nur Das Wasser mein
Mich treibt Der Todt in Reyen Nein.

11. Der Tod und der Vogt.

Der Tod.
Seit Jhr Her Vogt Unnd Ambtmann hir
Khombt Herr Versucht mein Pfefer Prie
Mit Schänkhung Unnd Schmierben Jst es Auß
Khombt Herr mit Mir Jn Unser Haus.

Der Vogt.
Jm Ambt Hab Jch Nit Braucht Gewalt
Daß Jch Thet, Waß Jn Dienerß Gestaldt
Durch Schankhung war Jch nit Geiebt
Doch mueß Jch Schon Thon Was Dir Geliept.

12. Der Tod und der Kaufmann.

Der Tod.
Laß Ab Kauffman von Deinem Werben,
Die Zeit Jst Hün, Jetzt must Du Sterben
Hast Schon Gehabt viel Siesser Geschleckh
Jetz Wirts Dir Saur, Du must Hin Weckh.

Der Kaufmann.
Mein Haus Thet Jch Für Sehen wol
Mein Kisten Unnd Khesten Sthäen voll
Jetz So Jch bin zum Besten Thrin
Mueß Jch Jetz Mit Dem Todt Dahin.

13. Der Tod und der Wirth.

Der Tod.
Khunst hast Abgelehrnet Christo fein,
Aus Wasser Hast Gemacht Offt Wein.
An Einer Maß Des Dritentheil Gewin,
Jst Gar Zuviel, Dantz Herr Mueß Nur hin.

Der Wirth.
Jch Het Zwar Offt viel Seltzam Gest.
Jetz Kombt Der Todt Unnd Jst Der Lest.
Mit Dem Jch Nur Abrechnen mueß,
Fir Zech Gipt Er Mir Die Todten Bues.

14. Der Tod und der Wucherer.

Der Tod.
Du Wucherer Du Gott Losser Man
Dein Guett Unnd Gelt Sich Jch Nit An
Der Armen Leit Hast vil verderbt.
Ein Schwarzer Todt Jst Dir Beschert.

Der Wucherer.
Ich fragt Nit vil nach Christy Lehr'
Gedacht, Der Wucher trägt vil mer.
Jetz bleibt Der Betel Allen dahünten
Was hülfft Mich Jetz Mein Schaben u. Schinden.

15. Der Tod und der Baur.

Der Tod.
Hui Auf Baur Mit Deinem Knecht,
Du muest mir Halten Ein Gefecht.
Dein Pflegel Mangst wol Fallen lon
Zue Unserm Dantz Richt Dich gar Schon.

Der Baur.
Mein Leben war der Arbeit voll –
An meinen Henden Sicht Manß Woll
Das Feldt Wolt Jch vil Lieber bawen
Alß Einen Solchen Dirling Anschawen.

16. Der Tod und der Spiller.

Der Tod.
Khom Her Spilgür Jetz Jst Dein Zill
Muest Mit Mir Thon Ein Sellzams Spiel
Wenn Du Schou Hast Drey beste Schwein
Gewinnst Nichtß Darmit, Das Spill ist Mein.

Der Spiller.
Jch Hab verspilt vil Guet und Gelt
Nun mueß Jch fort Auß Disser Welt
Mein Fluchen Falschen List nit Helffen Thon
Ich Besorg' Mir Wert Der Spiller Lohn.

17. Der Tod und der Jüngling.

Der Tod.
Jüngling! Wie Gehest Du So Frech herein
Weist Nit, daß Du Jetz Must Mein Sein,
Nim Hin daß Mailein Und den Crantz
Und kom mit Mir zum Todten Dantz.

Der Jüngling.
Ich Gedacht noch Manchen Sprung zu Thon
So Khombt Der Todt Nimbt Mich Darvon
Mueß Es Nur Sein So Erbarm eß Gott
O Jugend Gedenkhs, Mit Mir Ist's zu Spott.

18. Der Tod und die Jungfraw.

Der Tod.
O Jungfraw Schau Dein Rodter Mundt
Wirt Bleich Jetzund zu Disser Stundt.
Hast offt gedantzt Mit Jungen Khnaben
Mitt Mir must Jetz Den VorDantz haben.

Die Jungfraw.
O Weh Wie greulich Hat Er Mich Umfangen
Mir Jst Alle Freid Unnd Muet vergang'n
Hab Eben Gesündt nach Einem Mann –
Ach vor Der Zeit Mueß Jch jetz dran.

19. Der Tod und die Hexe.

Der Tod.
Hupf Auf Du Hessiges Schemeldier
Jn dem Feur must Du Schwitze schier
Dein Gabel Reiten Hat Ein Endt
Auf dem Heyberg Dich Hoch Hast Geschenndt.

Die Hexe.
Gott Und Seine Heilligen Zwar
Hab Jch verlaugnet Jst Offenbar
Mein Geliept Hab Jch dem Teifel Thon
O Weh, O Weh, Was Wiert Meur für Ein Lohn.

20. Der Tod und das Kind.

Der Tod.
Der Jugent Thue Jch Nit Verschonen
Die Khinlein Nimb Jch Wie Die Blumen.
Khom Her Mein Liebes Khindelein
Vergüß Der Muter, Du Bist Mein.

Das Kind.
Schaw an Mein Liebeß Müeterlein
Do Geht Ein Langer Man Herein –
Der Zeucht Mich Vort Unnd Wil mich Hon
Mueß Schon Dantzen Unnd Kan Khum Gon.

21. Der Tod und der Maler selbst.

Der Tod.
Gabriel Neckher, Laß das Mahlen ston
Wierf Bensel Hin Du must Darvon –
Hast Greilich Gemacht Meinens Gleich
Dantz Her, Du must Mir Werden Gleich.

Der Maler selbst.
Ich Hab Gemalt Den Todten Dantz
Mueß Auch Jn's Spiel, Sonst Wer Es Nit Gantz.
Jetz Jst Daß Mein Verdienter Lohn
Khompt Alhernach Jch mueß Darvon.

1640.

 

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Letzte Aktualisierung: 02.01.2007