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Uli Wunderlich:
Tanz in den Tod.
Totentänze vom Mittelalter bis in die Gegenwart. |
Obwohl die Zeiten, in denen die Menschen an tanzende Tote glaubten, längst
vorüber sind, hat der Totentanz nichts von seiner Faszination
verloren. Berichte über Jenseitsvisionen oder übernatürliche
Erscheinungen erfreuen sich großer Beliebtheit. Plätze,
an denen es spukt, Ruinen, Kirchen und Friedhöfe sind zu Ausflugsorten
geworden, wo die Ereignisse der Vergangenheit, die Ängste und
Hoffnungen unserer Ahnen erfahrbar werden. Gegenstand der Erkenntnis
sind jedoch nicht die Orte an sich, sondern Sachzeugnisse vergangener
Jahrhunderte, allen voran makabere Kunstwerke, also Bilder und Texte,
die mit Sterben und Tod zu tun haben.
Der Umgang mit den Toten, Friedhofsmystik und Engelssehnsucht sind
aktuelle Themen: Dem Totentanz werden zahlreiche Ausstellungen gewidmet.
Mehrfach sind in den letzten Jahren fachwissenschaftliche Schriften
erschienen. Der Totentanz, wie wir ihn im mitteleuropäischen
Raum kennen, entstand Ende des 14. Jahrhunderts unter dem Einfluss
der Bettel- und Predigerorden. Allen Werken gemeinsam ist das Auftreten
des Todes und die hierarchische Anordnung vom ranghöchsten zum
niedrigsten Vertreter der Gesellschaft: Jeder muss sterben.
In ihrem populären Bild-Sachbuch gibt Dr. Uli Wunderlich, Präsidentin
der "Europäischen Totentanz-Vereinigung", nicht nur
einen Überblick über den künstlerischen Umgang mit
dem Tod, sondern auch über Todesangst und -mythen . Sie beschreibt,
was in unserem Kulturkreis "Totentanz" heißt, von
den mittelalterlichen Wandmalereien über berühmte Graphikzyklen,
Kompositionen, Theaterstücke und Horrorromane bis hin zum zeitgenössischen
Sprachgebrauch. Historische Quellen, Sagen und Heiligenlegenden belegen,
dass die Verstorbenen helfen und schaden können. Fürsorge
und Abwehrriten bestimmen deshalb das Bild der Lebenden vom Tod. Sie
sind Grundlage der makaberen Kunst.
Totentänze haben ihre Bedeutung und finden ihre Darstellung
und Neuinterpretation bis in die Gegenwart: Der handelnde Tote ist
- bedingt durch die Auseinandersetzung mit den beiden Weltkriegen
- zum Inbegriff des Bösen geworden. Schädel und Skelette
dienen der Abschreckung, sie werden sogar politisch instrumentalisiert:
Der Tod ist dann Volksverhetzer, Kriegstreiber und Umweltzerstörer.
Darstellungen tanzender Skelette und Tänze für oder gegen
die Toten gibt es nicht nur im europäischen Raum, sondern auf
der ganzen Welt: Beispielhaft werden Totentänze im Himalaja und
in Lateinamerika mit Bildbeispielen beschrieben.
Das Buch ist mit deutlich über hundert dokumentarischen Abbildungen
illustriert. Ein im Anhang aufgenommenes Verzeichnis der öffentlich
zugänglichen monumentalen Totentänze zeigt Wege zu Kirchen,
Friedhofskapellen und Museen in Deutschland, Österreich und der
Schweiz.
144 Seiten.
82 farbige und 117 s/w-Abbildungen.
Gebunden mit Schutzumschlag.
Eulen Verlag. Freiburg im Breisgau 2001.
ISBN 978-3-89102-461-4
19,90 Euro (D) / 20,50 Euro [A]
Bestellungen sind im Buchhandel möglich.
Letzte Aktualisierung:
11.05.2011
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