ETV-Mitglied Barbara Smitmans-Vajda lebt als freie Schriftstellerin
in Tübingen und Budapest, wo ihre Arbeiten beachtliches Echo finden.
Anfang des Jahres erschien ihr Gedichtband "Adonien", der vom
griechischen Adonis-Mythos ausgeht, von dem Ovid in seinen Metamorphosen
erzählt. Aus diesem Grund verziert eine orgiastische Zeremonie vor
Dionysos als Hades, Gott der Unterwelt, den Schutzumschlag des Buchs. In
mehr als 70 knappen Verstexten verbindet die Autorin Motive aus unterschiedlichen
Epochen und Kulturkreisen; dabei entpuppt sich einander Entgegengesetztes
als Völker verbindende Gemeinsamkeit unabhängig von Zeit und Raum:
etwa Liebe und Tod, Krieg und Frieden oder Fest und Stille. Das Gedicht
"Warten und warten" ist unter anderem von Otto Dix' Grafiken "Totentanz
anno 17" sowie "Granattrichter mit Blumen" aus der 1924 publizierten
Mappe "Der Krieg" inspiriert. Zum besseren Verständnis veröffentlichen
wir eine der filigranen Schöpfungen:
Warten
und warten!
Der Wurm
meines Wartens
zerfraß mich.
Unterm Granatbaum,
Geliebter, zersplittern
die Äpfel und sprengen
die Erde.
Gehäckseltes Holz
ist mein Garten!
vertrocknet die Reben! –
Vielleicht aber
wachsen ja einst
aus Granattrichtern
Blumen.
Doch vorerst
lass deine Leier,
denn anders ist nun
mein Wachen gewandet.
Der Augen
Blick stürzt sich
in Trümmer.
Aufgewühlt
wirbeln die Leiber,
man wendet sie hin,
man wendet sie her
man türmt sie
zum knöchernen Takte
der Trommel! …
Barbara Smitmans-Vajda: Adonien - Ein lyrischer Tanz mit Innana, Sappho,
Schahrasad, Sulamith, Shiva, Laotse, Oedipus, Orpheus, Hölderlin
u. a. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2006. |